YOU’s Letter 10/16: Einfachheit

EINFACH LEBEN


Liebe wertvolle Menschen,

„Einfachheit ist die freiwillige Beschränkung auf das Wesentliche!“, sagte einmal Andreas Tenzer, deutscher Philosoph und Pädagoge. An diesen Satz dachte ich, als ich vor meiner letzten Reise meinen Koffer gepackt habe. Vielleicht kennen Sie diese Gedanken: Ich will wenig mitnehmen. Der Koffer soll leicht bleiben, damit ich ihn besser tragen kann. Aber was wird mich erwarten? Was ist wichtig mitzunehmen? Wie wird das Wetter sein? Für welchen Anlass brauche ich welche Kleidung? Was muss ich in die Notfallapotheke einpacken? ….

Ich glaube, um mich freiwillig zu beschränken, brauche ich nicht nur beim Kofferpacken, sondern besonders auch in der Gestaltung meines Lebens Mut, Vertrauen und den Blick für das Wesentliche.

Ich habe nicht alles im Griff und kann nicht alles vorhersehen. Wenn ich erst einmal entschieden habe, was das Wesentliche ist, entschieden habe, was in den Koffer bzw. zu meinem Leben gehören soll, wird Vieles leichter. Dann habe ich mich entschieden loszulassen und klar zu sein. Es bereichert mein Leben mit „leichtem Gepäck“ zu reisen. So ist der Blick für Neues, für die Dinge außerhalb meiner Selbst freier. Es ist Platz für das „Beschenktwerden“.

„Es ist nicht einfach, einfach zu leben, aber gewinnbringend“, Paul Schibler Schweizer Aphoristiker. Ja, Einfachheit ist ein Lebensgewinn! Einfachheit gehört zu einer modernen Lebensführung! Einige Impulse zu diesem Thema habe ich diesmal wieder für Sie zusammengestellt.

Einfach einmal neugierig sein, dann ist Platz für Überraschungen!

Ihre Ellen Buttgereit


Lebenswertes

Orientierung finden ist, wie durch eine offene Tür gehen.

Werte sind Orientierungspfähle für mehr Einfachheit im Leben

Die Komplexität in unserer Welt fordert uns Menschen besonders heraus. In meiner Beratungspraxis stelle ich immer wieder fest, dass meine Klienten von Überforderung sprechen.

„Ich will oder muss alles bewältigen!“ „Ich habe kaum noch Zeit für mich selbst“!

Viele fühlen sich fremdbestimmt, der Chef, die Familie, der Fußballverein, die Gemeinde, … alle wollen etwas von mir. Doch häufig sind es auch die eigenen Ansprüche und Haltungen, die dazu führen vielleicht alles perfekt machen zu wollen oder sich für alles verantwortlich zu fühlen. Oft sind diese Haltungen in der Kindheit begründet.

Außerdem gibt es in unserer Gesellschaft kaum noch äußere Orientierungspfähle durch Glauben oder äußere Regeln. Es ist alles möglich und beliebig geworden. Wir sind herausgefordert uns „Innere Regeln“ – eigene „Werte“ zu schaffen, die uns helfen „Nein“ zusagen oder mutig Ansprüche, Wünsche und Erwartungen loszulassen.

Ein erster Schritt kann helfen Klarheit zu schaffen:

Wählen Sie drei Werte aus.

Wie finden Sie heraus, was Ihnen selbst wichtig ist und was haben Sie vielleicht aus dem Elternhaus oder von anderen Bezugspersonen übernommen, Ihnen selbst aber ist dieser Wert vielleicht nur eingeschränkt wichtig?

Oft höre ich dann im Gespräch „Aber dass tut man doch so“!

Eine Möglichkeit: Sie brauchen dafür 30 Minuten Zeit, einen Zettel und Stift. Nun betrachten Sie in Ruhe Ihre Lebensgeschichte.

In welchen Lebensabschnitten bzw. Lebensereignissen wurden Ihnen welche Werte vermittelt, wo haben Sie welche Werte gelebt? Hilfreich dafür kann es sein Ihr Leben in Kindheit, Jugend, Ausbildung und Studium, usw. einzuteilen.

Nun schreiben Sie die Werte auf, die Ihnen in diesen Lebensabschnitten wichtig waren oder vermittelt wurden. Wie hat sich Ihr Wertesystem entwickelt?

Ein Beispiel ist z.B. die Geburt des ersten Kindes. Ab diesem Zeitpunkt haben Werte wie Verlässlichkeit, Konzentration, Toleranz, Fürsorge oder Verantwortung eine besondere Bedeutung im Leben gefunden. Zuvor waren es vielleicht Werte wie Unabhängigkeit, Selbstbestimmung oder Ihre Eltern habe Ihnen Pflichtbewusstsein und Unterordnung vermittelt.

Wenn Sie diese Werte gesammelt haben, können Sie sich bei jedem Wert die Frage stellen, ob dieser wirklich für die nähere Zukunft für Ihre Lebensführung wichtig sein soll. Sie können prüfen, ob es vielleicht nur ein „projizierter Wert“ ist, der eher ein Gefühl der Fremdbestimmung auslöst und für die aktuelle Lebenssituation nicht mehr passend ist.

Die Werte, die für Ihre Zukunft nun wichtig zu sein scheinen, sortieren Sie aus, wie beim Kofferpacken. Nun wählen Sie nur 3 Werte aus, die Ihnen für die nächsten Monate wesentlich erscheinen und überlegen, wie diese Werte in Ihrer Lebensführung sichtbar werden sollen.

Beispiel: Selbstfürsorge – ich werde früher aufstehen und mir jeden morgen 20 Minuten Zeit nehmen für Frühstück und Zeitung – oder für Meditation oder für einen Morgenspaziergang.

Die Wirkung Ihrer Werte sollte von anderen Menschen erkennbar sein. Vielleicht teilen Sie diese Werte und Ihre Absichten einem vertrauten Menschen mit. Dieser kann Ihnen vielleicht nach einiger Zeit eine Rückmeldung geben, ob sie oder er mehr Klarheit in der Lebensführung bei Ihnen erkennt.

Allerdings ist bei der Auswahl der 3 Werte mit zu entscheiden, welchen Preis Sie bereit sind zu zahlen, wenn Sie diese Werte leben wollen. Ich muss bereit sein etwas „abzuschneiden“, um wirklich das zu gewinnen, was mir wichtig ist!

Probieren Sie es einfach einmal aus.


Lesenswertes

Lebensfallen erkennen – Einfachheit gewinnen

„Raus aus den Lebensfallen“

von Eckard Roediger, Neurologe und Psychiater, Schematherapeut

Wenn Sie sich immer wieder fragen: „Warum passiert mir das immer wieder ?“, könnte es sein, dass Sie nach alten Regeln leben, die unbewusst Ihr Verhalten bestimmen. Dieses Buch zeigt, wie Sie die „alten Knoten“ auflösen können. So wird der Umgang mit Lebensfallen einfacher.

Ein guter Einstieg um neue Potenziale zu nutzen.


Hörenswertes

Entspannung mit einfachen Klängen – zum Reinhören auf das Cover klicken

Arvo Pärt – „Für Alina“

Arvo Pärt (*11.09.1935, Estland ) ist einer der bedeutendsten lebenden Komponisten der neuen Musik und lebte bis 2008 in Berlin.

Er entwickelte einen Stil namens „Tintinnabuli“ (Glöckchengeklingel). Diese Musik zeichnet sich durch Einfachheit und Minimalismus aus und kann für eine mentale Auszeit sorgen.

In der zweiminütigen Klavierminiatur „Für Alina“ imitierte Pärt erstmals den Kirchturmklang.


Sehenswertes

Auf das Bild klicken und Film 2.35 Minuten ansehen

„Simplicity“

Ein Film zum Wert „Einfachheit“Ein Film zum Wert „Einfachheit“

Vielleicht nehmen Sie sich die Zeit und geniessen diesen schönen Impuls.


Bemerkenswertes

Drei Werte auswählen von vielen, wie Schirme auf der Leine

Aus einem Werteleitbild

Gelassenheit – Ich nutze Wartezeiten immer sinnvoll, indem ich ganz bewusst atme!
Selbstfürsorge – Meine Arbeit und meine Zeit sind für mich da und nicht umgekehrt!
Einfachheit – Ich denke bisweilen daran, dass das Leben endlich ist und dass ich nichts von meinem Besitz mitnehmen kann. Ich frage mich bei jedem Einkauf: Brauche ich es wirklich? – Denn Beziehungen sind wichtiger als materielle Werte – dann lieber einen Kaffee trinken mit einer guten Freundin!

  • Gelassenheit – Ich nutze Wartezeiten immer sinnvoll, indem ich ganz bewusst atme!
  • Selbstfürsorge – Meine Arbeit und meine Zeit sind für mich da und nicht umgekehrt!
  • Einfachheit – Ich denke bisweilen daran, dass das Leben endlich ist und dass ich nichts von meinem Besitz mitnehmen kann. Ich frage mich bei jedem Einkauf: Brauche ich es wirklich? – Denn Beziehungen sind wichtiger als materielle Werte – dann lieber einen Kaffee trinken mit einer guten Freundin!

Liebenswertes

Eine Welle – Einfachheit –

Einfacher werden

Ein Welle überquert den ganzen Ozean und verliert kaum Energie auf ihrer Reise.
Im flachen Wasser bricht sie sich und läuft auf den Strand auf.
Ihre Aufgabe ist erfüllt.

Eine Pappel saugt Feuchtigkeit aus der Erde
und verbindet sie mit dem Licht des Himmels.
Und schon erscheinen unzählig viele Blätter
an ihren Ästen, jedes an seinem richtigen Ort.

Wolken ziehen tausend Kilometer über die Steppe,
stoßen dann gegen die Berge
und regnen herab auf alles, ohne Ausnahme,
und neues Leben entsteht.

In dieser Einfachheit erfüllt sich die Welt.
Ich will einfacher werden:
eine Welle, ein Baum, eine Wolke
in der Weisheit meiner Berufung.

© Ulrich Schaffer (*1942), Fotograf und Schriftsteller